In 3 Schritten zur Klimaneutralität im Bankwesen: Vermeidung - Substitution - Kompensation

Bis zum Jahre 2050 möchte die Europäische Union mithilfe des „Green Deals“ klimaneutral werden. Deutschland geht hier sogar einen Schritt weiter und strebt eine Klimaneutralität bis 2045 an. Klimaneutralität in diesem Falle bedeutet, dass ein Gleichgewicht zwischen der emittierten und der aus der Atmosphäre entzogenen Menge an Treibhausgasen erreicht wird. Neben Unternehmen und der Industrie sind heutzutage auch Banken immer mehr in der Verantwortung, ihren CO2-Fußabdruck langfristig auf Netto-Null zu minimieren.

 

Ein bewährtes Schlagwort, das in der Diskussion zum Thema Klimaneutralität und Verbesserung des eigenen CO2-Fußabdrucks immer wieder genannt wird, ist die sogenannte „Kompensation“. Wichtig jedoch ist, dass die dazugehörigen Schritte „Vermeidung“ sowie die nachhaltige „Substitution“ der Emissionstreiber dabei nicht in Vergessenheit geraten.

 

Insgesamt empfiehlt es sich die eigene Klimastrategie idealerweise in den folgenden drei Schritten aufzubauen:

1) Vermeidung

Nach der Identifizierung der wesentlichen Emissionstreiber gilt es im ersten Schritt zu untersuchen, welches Reduktionspotential in den einzelnen Emissionsquellen besteht. Ziel ist es, den Verbrauch von Ressourcen langfristig zu minimieren. Aufgrund der endlichen Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen ist dieser Schritt immer zu priorisieren.

 

Maßnahmen im Rahmen einer Vermeidungsstrategie sind unter anderem:

  • New Work Konzepte zur Reduzierung des Pendlerverkehrs
  • Virtuelle Vertriebskonzepte zur Vermeidung von Dienstreisen und fortschreitenden Digitalisierung von Geschäftsprozessen
  • Veränderung des Nutzerverhaltens, Verbesserung der Energieeffizienz oder Automatisierung der Gebäudetechnik

Insgesamt können durch die Vermeidungsstrategie erfahrungsgemäß rund 20 bis 30 Prozent der gesamten Emissionen im Geschäftsbetrieb – abhängig von der konkreten Ausgangssituation – eingespart werden. Die größten Einsparungen lassen sich dabei erfahrungsgemäß durch den Einsatz von mobilem Arbeiten und der Reduktion von Dienstreisen erzielen.

2) Substitution

Im nächsten Schritt sind die verschiedenen Stellhebel der Substitution zu analysieren. Im Gegensatz zur Vermeidungsstrategie wird der Ressourcenverbrauch hier nicht nur verringert, vielmehr geht es darum, den aktuellen Energieträger durch ein emissionsärmeres Äquivalent zu ersetzen. Bei der Sanierung der Heizungsanlage könnte beispielsweise von Erdgas auf Biogas umgestellt werden. Dadurch wird der Emissionsfaktor bei gleichbleibender Heizleistung maßgeblich reduziert.

 

Relevante Maßnahmen für die Substitutionsstrategie sind zum Beispiel:

  • Herstellung oder Bezug von regenerativen Energien für Gebäudeenergie Strom und Wärme
  • Überarbeitung der Dienstreise-Regelungen mit stärkerem Fokus auf Bahnreisen
  • Umstellung der Fahrzeugflotte auf alternative Antriebe (z. B. Elektromobilität)

 

Bezogen auf die gesamten THG-Emissionen im Geschäftsbetrieb lassen sich hier mit einer durchdachten Substitutionsstrategie zwischen 30 und 40 Prozent der CO2-Emissionen einsparen.

3) Kompensation

Die Kompensation ist ein notwendiges Mittel, um unvermeidbare CO2-Emissionen zu binden und so letztlich Klimaneutralität zu erreichen. Sie beschreibt den letzten Schritt einer sinnvollen Klimastrategie. Mittlerweile gibt es auch immer mehr Unternehmen, die verschiedene Kompensationsdienstleistungen anbieten. Aufgrund der Aktualität und Brisanz des Themas ist bei der Partnerauswahl jedoch vorsichtig geboten, denn nicht alle Anbieter können die gesetzten Standards auch wirklich erfüllen.

 

Wichtige Fragestellungen in diesem Schritt sind unter anderem die Folgenden:

  • Welche Mengen an Treibhausgasen soll kompensiert werden?
  • Welche Projekttypen sollen gefördert werden?
  • Welche Mindestanforderungen für den Klimanutzen soll das Projekt einhalten und welche Qualitätsstandards sind somit gefordert?

 

Richtig eingesetzt, können hier die verbleibenden 30 bis 50 Prozent der Emissionen im Geschäftsbetrieb – nach Vermeidung des Verbrauchs und der Substitution – kurz- und mittelfristig zur Erreichung der Klimaneutralität kompensiert werden.

Fazit

Sozial- und Umweltkriterien werden auch für Kreditinstitute zunehmend wichtiger. Wie viel THG-Emissionen mit Hilfe der einzelnen Strategien eingespart werden können, ist letztendlich abhängig von der Ausgangszusammensetzung und kann je Bank und in Abhängigkeit der bestehenden Umweltaktivitäten deutlich abweichen. Das in diesem Beitrag beschriebene Vorgehen kann dabei helfen und ermöglicht die Definition einer ganzheitlichen und glaubwürdigen Klimastrategie, die das Bankenwesen für die Zukunft rüstet. Hierfür ist es wichtig, dass die drei Schritte nacheinander durchlaufen werden. Zudem muss die Einhaltung der richtigen Reihenfolge sichergestellt und bei der Auswahl von vertrauenswürdigen und zertifizierten Kompensationspartnern gewissenhaft vorgegangen werden. Ziel muss es sein am Ende die Erreichung der Klimaneutralität im Geschäftsbetrieb sicherzustellen und somit einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten.

 

Falls Sie Fragen haben oder mehr zur Definition einer geeigneten Klimastrategie wissen möchten, können Sie sich jederzeit an unsere Experten und Ansprechpartner (siehe unten) wenden. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

Christopher Schreiner

Christopher Schreiner

christopher.schreiner@emporias.de

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